Auszeichnung vorbildlicher Bauten NRW 2025
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BESSER RECYCELN – Transformation einer Infrastruktur
Recyclinghöfe gehören zu den wichtigsten Bausteinen der Kreislaufwirtschaft. Sie werden aber im öffentlichen Bewusstsein meist als rein technische Infrastruktur wahrgenommen. Der neue Recyclinghof der Wirtschaftsbetriebe Duisburg verfolgt einen anderen Ansatz: Er versteht sich nicht nur als funktionale Entsorgungsanlage, sondern als sichtbarer Ort des nachhaltigen Wandels.
Die Aufgabe: Im Rahmen eines umfassenden, neuen Betriebshofkonzeptes entstand in einem ersten Bauabschnitt auf einer ehemaligen Industriebrache im Duisburger Stadtteil Hochfeld ein Recyclingzentrum mit Wertstoffumlade, Tonnenlager und ergänzenden Betriebsfunktionen. Ziel war die Entwicklung einer wirtschaftlichen und leistungsfähigen Anlage, die den Anforderungen eines modernen Entsorgungsbetriebes ebenso gerecht wird wie den Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer.
Entwurf: Am Beginn des Entwurfsprozesses stand die Entwicklung einer effizienten und kreuzungsfreien Organisation der betrieblichen Abläufe sowie der Kundenführung. Die Wertstoffabgabe wird als einfacher und komfortabler Ablauf erlebt – Recycling wird erleichtert und damit gefördert.
Städtebaulich formuliert der Entwurf klare und robuste Baukörper, die von der industriellen Prägung des Umfelds inspiriert sind. Die kundenorientierten Gebäude entlang der Straße staffeln sich hingegen auf eine zweigeschossige Maßstäblichkeit herunter und vermitteln zwischen Betriebshof und Stadtraum.
Besser recyceln: Das Recyclingzentrum steht unter dem Leitmotiv „Besser recyceln“. Die Organisation der Wertstoffabgabe wurde konsequent auf eine einfache, intuitive und komfortable Nutzung ausgerichtet. Großzügige Rampen und Stege ermöglichen eine komfortable und übersichtliche Abgabe der Wertstoffe.
Die Materialität aus Holz und begrünten Dachflächen steht für den Wandel der Duisburger Industrielandschaft hin zu einer nachhaltigen Zukunft. Die Sockelzonen der Gebäude sind als robuste und widerstandsfähige Betonkonstruktionen ausgebildet, während darüber Holz als nachwachsender und CO₂-speichernder Baustoff zum Einsatz kommt.
Die Anlage entwickelt sich auf einer ehemals industriell genutzten Brachfläche. Trotz der vorhandenen Rahmenbedingungen konnten die Betriebsabläufe effizient organisiert und zusätzliche Flächenversiegelungen weitgehend vermieden werden.
Begrünte Dachflächen und Versickerungsanlagen kompensieren die Eingriffe in den Bodenhaushalt und verbessern das Mikroklima. Anfallendes Regenwasser wird gesammelt, als Löschwasser vorgehalten oder über Rigolen versickert.
Die Konstruktion basiert auf einem klaren Achsraster mit seriell gereihten Bauteilen. Dadurch können Gebäude und Anlagen flexibel an zukünftige Anforderungen angepasst, erweitert oder zurückgebaut werden.
Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist die Wiederverwendung gebrauchsfähiger Gegenstände. Im sogenannten „R(h)einladen“ werden diese durch ehrenamtlich Engagierte aufbereitet und anschließend erneut zum Verkauf angeboten.
Kreislaufwirtschaft verstehen: Kreislaufwirtschaft wird darüber hinaus anschaulich erfahrbar gemacht: Ein Seminarraum ermöglicht Schulklassen und Interessierten direkte Einblicke in die Abgabe- und Sortierprozesse.
Für den Fuhrpark wurde eine umfassende Elektro-Ladeinfrastruktur geschaffen, die eine schrittweise Umstellung der Wirtschaftsbetriebe auf Elektromobilität unterstützt.
Das Projekt entstand im Auftrag und enger Zusammenarbeit mit Schüßler-Plan, Köln. Der fertiggestellte Recyclinghof im ersten Bauabschnitt wurde mit der Auszeichnung „Vorbildliche Bauten in Nordrhein-Westfalen 2025“ gewürdigt.
Aus einer ehemaligen Industriefläche ist ein Ort entstanden, an dem nachhaltiges Handeln sichtbar wird. Der Recyclinghof ist nicht nur technische Infrastruktur, sondern ein öffentlich wahrnehmbarer Beitrag zur Transformation von Stadt, Ressourcenverbrauch und Mobilität.
Render: Vistral, Köln
Fotos: Andreas Wiese, Düsseldorf
Drohnenfoto: Wirtschaftsbetriebe Duisburg
Auftraggeber: Schüßler-Plan GmbH, Köln
Nutzer: Wirtschaftsbetriebe Duisburg
Ort: Duisburg, Hochfeld
Leistungen sgp HACHTEL I BAUER architekten: Objektplanung für Gebäude und Dächer Recyclinghof, neue Verwaltung, Parkhaus und Stellplatzdächer. Lph 1 – 8 nach HOAI §34
Status:
1.Bauabschnitt mit Recyclinghof und Umlade 2024 fertiggestellt
2. Bauabschnitt mit Verwaltungsgebäude, Parkhaus und Stellplatzüberdachungen in Planung, Fertigstellung 2027
Auszeichnung vorbildlicher Bauten in Nordrhein-Westfalen 2025
